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| Die Jakobuskirche heute. | Die Jakobuskirche früher. |
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Die Kirche von innen. | ![]() |
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Aus der Geschichte der Kirchengemeinde und ihrer Kirche
Auf alten Stichen wird die Freiendiezer Kirche mit einem mächtigen Chorturm dargestellt Diese Eigentümlichkeit deutet darauf hin, dass die Kirche um die erste Jahrtausendwende erbaut worden sein muss. Folglich bestand damals auch schon das Dorf, obwohl es erst später zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird. Diese Kirche war Jakobus dem Älteren geweiht 1217 wird sie, Vorgängerin der heutigen Pfarrkirche, erstmals urkundlich erwähnt. . In älterer Geschichtsschreibung wird erwähnt, dass Diez mit einer Burgkapelle früher Filiale von Freiendiez gewesen sei, dann aber die Freiendiezer Mutterpfarrei nach Errichtung der Diezer Marienkirche 1289 und Gründung eines Kollegialstiftes dem Diezer Stift inkorporiert worden sei. |
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![]() Kirche bis 1817 |
Die alte, baufällige Kirche musste im Jahre 1686 abgebrochen und durch eine neue ersetzt werden, die dann bis 1817 gestanden hat. Die Kirche wurde auf denselben Fundamenten errichtet und hatte einen Turm mit einer Kuppel, der nachträglich hinzugekommen sein muss. Das Geläut dieser zweiten Kirche wurde als harmonisch gerühmt. Auch eine Orgel besaß diese Kirche, gebaut von einem Orgelbauer und Müller namens Scheld aus Niederscheld. |
| Bis zur Reformationszeit bestand in Freiendiez
außerdem eine Klause, ein kleines Kloster, mit einigen Nonnen.
Die Klause stand neben der alten Kirche auf dem Platz des jetzigen Anwesens
Langlotz, ehemals Preußer, wo sich unter dem Altbau noch heute
der alte Klosterkeller befinden soll. Als 1578 die letzte Schwester starb, blieben noch zwei Mägde übrig. Die Klause wurde dann dem Stift Diez zugeordnet. "Auf dem Wirt", wo sich heute der Bühnennebenraum der Turnhalle befindet, und im angrenzenden Gelände stand im Mittelalter die St. Margaretenkapelle. Ihre Erbauungszeit wird als sehr früh angenommen, denn erst in einer Tiefe von 1,20 m wurden die noch tiefer gehenden Mauerreste gefunden. Im Jahre 1568 wurde bereits befohlen, die Margaretenkapelle abzubrechen, da sie damals unbenutzbar tief im Wasser stand und baufällig war. Sie stand aber noch 1570 und war, wie es seinerzeit hieß: "im Wasser" und "äußerst baufällig". Der Befehl zum Abbruch musste "ernstlich" wiederholt werden und wurde noch im gleichen Jahr ausgeführt. Vor der 1564 eingeführten Reformation (seit 1577
mit reformiertem Katechismus) wurde die "Freyendiezer Kirche"
vom "Stift zu Dietz" bedient. Die Reformation säkularisierte
das Stift "B.M.V." (Beatae Maria Virginis = Marienstift)
und dadurch bekam Freyendietz wieder eine eigene Pfarrei. |
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Der große Brand
Am 20. August 1817 brach um die Mittagszeit in einem Stall
(andere Berichte sprechen von einer Scheune) in der Untergasse (jetzt Oberwirtstraße)
ein Brand aus. Noch ehe Löschgeräte und Spritzen zur Hand waren,
wurden die strohgedeckten Nachbargebäude vom Feuer ergriffen, welches
sich infolge mehrwöchiger Trockenheit mit großer Schnelligkeit
ausbreitete. Vieh und einige Habe wurden zum Teil in die Kirche geschafft,
bis auch die Kirche selber vom Feuer ergriffen und bis auf einen Turmrest
zerstört wurde. Vom Inventar konnte nur die alte Bibel gerettet werden,
in welcher der Spruch steht: "Haltet fest an Gottes Wort, es ist dein
Glück auf Erden und soll, so wahr Gott ist, dein Glück im Himmel
werden".
Nachdem die alte St. Jakobskirche durch den Brand zerstört worden war,
wurde im Jahre 1818 die hiesige Pfarrei aufgehoben und der Stadtkirche zu
Diez zugewiesen.
Wegen der mit einem Wiederaufbau verbundenen erheblichen finanziellen Belastungen
der Einwohner verfügte der Herzog von Nassau, dass die Kirche nicht
wieder aufgebaut werden sollte. Die Kirchenruine musste auf Abbruch versteigert
werden.
Auf mehrmalige, unermüdliche und hartnäckige Bitten wurde den
evangelischen Ortseinwohnern nachgegeben und die aufgelöste Pfarrei
und Kirchengemeinde im Jahre 1850 wieder errichtet. Sie umfasste damals
ungefähr 700 Seelen. Da damals eine Kirche fehlte, fanden die Gottesdienste
in der Schule statt, und zwar bis 1853.
Schließlich wurde vom Ministerium auch die Genehmigung erteilt, eine
neue Kirche zu bauen. Der Bau der neuen Kirche wurde daraufhin umgehend
vorbereitet.
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Der Neubau der Jakobuskirche
Die Freiendiezer wollten wieder eine eigene Kirche haben
und sparten über 30 Jahre, um dieses Ziel zu verwirklichen. Nach ihren
Wünschen wurde die neue Kirche auf dem alten Kirchplatz gebaut, wo
zunächst der Rest des alten Turmes abgetragen werden musste.
Die Planung wurde vom Architekt Hofmann aus Herborn vorgenommen, wobei die
Kirche zumindest in Teilbereichen des Schiffes und des Chores einen Außenputz
erhalten sollte. Nur für den Turm wurde eine Sichtfläche der Natursteine
geplant.
Die Pfarrchronik berichtet über den Beginn des Neubaus der Jakobuskirche
und die Grundsteinlegung. Hieraus entnehmen wir die folgenden Passagen:
"Die ersten Steine für den Kirchenneubau wurden am 17. Juli 1851
kostenlos von Gemeindegliedern herbeigefahren. Am 21. Juli 1851 wurde der
Platz zum Bau abgesteckt und am 23. Juli 1851 mit dem Aufmauern der Fundamente
begonnen.
In Anwesenheit einer großen Menschenmenge wurde am 1. Juni 1852 der
Denkstein "feierlich mit Gesang, Rede, Gebet und Einweihung gelegt".
Er enthält eine in einem Zylinder wohl verwahrte und versiegelte Denkschrift
sowie in kleine Säckchen verpackte Proben verschiedener Früchte,
die in der Gemarkung gewachsen waren, außerdem je ein Braunstein und
Eisenstein aus Bergwerken hiesiger Gemarkung."
In dem damals gesprochenen Gebet heißt es:
"So ist denn mit Gottes Hülfe der Anfang gemacht, und wird mit
Gottes Segen der Bau zu Ende geführt werden. Wir danken dem Höchsten,
dass er uns Solches hat erleben lassen und bitten ihn:
Herr, lasse dieses Haus zu Deiner Ehre erbaut werden, und erbaue Du Alle
welche zu dieser Dir geweihten Stätte eingehen werden, durch Dein Wort
und Deine Heiligen Sacramente. Bewahre und beschütze dieses Haus und
behüte Alle, die daran arbeiten. Sey Du in den Räumen, die auf
diesem Grunde sich erheben, uns nahe, wenn wir zu Dir beten, und segne dazu
mit Deiner Gnadengegenwart uns und die künftigen Geschlechter dieser
Gemeinde. Vor allen Dingen aber erbaue Du, der Du Vater in Deinem Sohne
uns berufen hast zu Bürgern mit den Heiligen und Deinen Hausgenoßen,
durch die Kraft des Heiligen Geistes uns selbst zu einem heiligen Tempel
in dem Herrn, zu einer Behausung Gottes im Geiste. Stets werde Deine Ehre
hier verkündigt, nie werde Anderes hier gelehrt als Deine Gerechtigkeit,
und nie etwas Anderes begehrt, als Dein Friede. Nie werde ein anderer Grund
hier zu legen gesucht, als der eine, der gelegt ist, Jesus Christus, hochgelobt
in Ewigkeit. Amen!"
Am 31. Oktober 1853 wurde die neue, einfache Kirche, die dritte auf demselben
Platz, mit einem feierlichen Festgottesdienst unter überwältigender
Teilnahme der Bevölkerung eingeweiht.
Der Kirchhof war früher zugleich Friedhof. Links von der Treppe ist
noch ein Bruchstück von einem Grabstein in die Umfassungsmauer eingemauert.
So brachten die Vorfahren zum Ausdruck, dass Lebende und Tote zu der großen
Gemeinschaft der Gläubigen gehören.
Aus der Schrift "Die Renovierung der Kirche" entnehmen wir einen
Abschnitt, der aus dem Jahr 1900 Folgendes berichtet:
"Auf Veranlassung von Pfarrer Auler wurden zwei Kronleuchter aus Schmiedeeisen
für die Kirche beschafft. Diese wurden aus einem Acetylen-Gasapparat
des benachbarten Gastwirts Preußer gespeist. Am Silvesterabend 1901
beleuchtete das neue Licht der beiden Kronleuchter den Kirchenraum zum ersten
Mal."
Bis zur Elektrifizierung dauerte es noch etwas, erst im Verlauf des Jahres
1904 war das Elektrizitätswerk in "Hatzmanns Mühle"
betriebsbereit und hat den Ort und sicherlich auch die Kirche mit Strom
versorgt.
Auf alten Bildern sieht man den Innenraum der Jakobuskirche mit den Seligpreisungen
an den Wänden zwischen den Fenstern. Außerdem zeigen diese eine
Sakristei links vorne in der Ecke und die Kanzel links auf halber Höhe.
Bei einem schweren Bombenangriff auf den Bahnhof Limburg am 23. Dezember
1944 wurde auch ein Teil von Freiendiez schwer getroffen. Auch die Jakobuskirche
wurde beschädigt. Sämtliche bleiverglasten Fenster lagen im Inneren
des Kirchenraumes. Die Aufräumungsarbeiten und - wegen fehlendem Material
- die Wiederherstellung gestalteten sich äußerst schwierig. Schließlich
wurden die Kirchenfenster mit Brettern zugeschalt und eine kleine, mit Glas
geschlossene Öffnung ergab etwas Licht. So konnte wieder Gottesdienst
gehalten werden. Später wurden die verbogenen Eisenrahmen gerichtet
und gespendetes Glas zu Behelfsfenstern verarbeitet, so dass die Bretterverschalung
wieder abgenommen werden konnte. Noch später wurden dann wieder bleiverglaste
Fenster an der linken Seite und Fenster auf der rechten Seite angebracht.
Endlich konnte man auch die drei Chorfenster mit bildlichen Darstellungen
von Jesus, Mose und Paulus in Auftrag geben. Zur 100-Jahr-Feier der Kirche
1953 waren sie fertig eingebaut.
Die Jakobuskirche wurde 1967/68 renoviert und hat durch die Gestaltung von
Architekt Vogel ein Aussehen bekommen, das an romanische Stilelemente erinnert.
Eine weitere Innenrenovierung folgte 1997. Nachdem am Sonntag, 2. November
1997, der letzte Gottesdienst stattgefunden hatte, begannen am Montag, 3.
November 1997, die 6. Renovierungsarbeiten. Während dieser Zeit fanden
Gottesdienste in der Turnhalle, die Vorstellung und Konfirmation in der
Stiftskirche statt. Nach dem vorgesehenen Terminplan sollten die Arbeiten
im Mai 1998 abgeschlossen werden. Doch unkalkulierbare Unsicherheiten, wie
beispielsweise Risse in der Wand, die eine Reaktion des Putzes (fällt
er herunter oder lässt er sich instand setzen) nicht vorhersagen ließen,
deuteten auf Verzögerungen hin.
Die Arbeiten unter der fachlichen Leitung von der Architektin Eva Strieder
aus Holzappel und dem künstlerischen Gestalter, Eberhard Münch
aus Wiesbaden, konnten aber dann doch planmäßig abgeschlossen
werden und am 31. Mai 1998 wurde die Jakobuskirche in neuer Ausstattung
wieder eingeweiht:
"Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da
deine Ehre wohnt. " (Psalm 26,8)
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Der Name: Jakobuskirche
Aus alten Urkunden, die im Staatsarchiv Wiesbaden aufbewahrt
werden, geht hervor, dass die Freiendiezer Kirche dem Apostel Jakobus dem
Älteren geweiht war (oder, wie man damals sagte: "St. Jakob").
Die Erwähnungen des Kirchennamens stammen von 1406, 1456 und 1477.
Alte Abbildungen weisen darauf hin, dass die Kirche schon vor 1217 gestanden
haben muss, vielleicht aber auch schon früher, im 9. oder 10. Jahrhundert.
Damals war der Apostel Jakobus sehr volkstümlich, und es ist anzunehmen,
dass die Kirche bei ihrer Erbauung nach ihm benannt worden ist.
Namenspatron unserer Jakobuskirche ist Jakobus, der Sohn des Zebedäus.
Jakobus und Johannes waren zusammen mit ihrem Vater Fischer am See Genezareth,
als sie von Jesus zu Jüngern berufen wurden. Wie Simon Petrus und dessen
Bruder Andreas verließen sie ihre Netze und ihr Boot und gingen mit
Jesus.
Aus der biblischen Geschichte entnehmen wir, dass die Söhne des Zebedäus
ein sehr aufbrausendes Temperament gehabt haben. Trotz ihrer Unbeherrschtheit
gehörten sie mit Petrus zu den drei engsten Vertrauten Jesu. Nach dem
Tod und der Auferstehung Jesu haben sich die Jünger sehr gewandelt.
Jakobus hatte eine so bedeutende Stellung in der Urgemeinde, dass ihn der
König Herodes Agrippa I im Jahre 44 enthaupten ließ, um der christlichen
Gemeinde einen ihrer führenden Köpfe zu nehmen.
Wie die Jünger Jesu, wie die Apostel wirklich ausgesehen haben, weiß
niemand. Denn niemand hat sie gemalt oder fotografiert. Im Laufe der Zeit
wurde es allerdings üblich, die Apostel auf den Darstellungen durch
gewisse Beigaben zu unterscheiden. Jakobus wurde von alters her als Wanderer
mit dem Wanderstab dargestellt. Eine Darstellung, die uns an das Lied von
Gerhard Tersteegen erinnert:
Ein Tag, der sagt dem andern, mein Leben ist ein Wandern zur großen
Ewigkeit.
O Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne, mein Heim ist
nicht in dieser Zeit.
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Das Äußere
Die Freiendiezer haben sich über viele Jahre hin an
den Anblick ihrer Kirche gewöhnt und sie richtig lieb gewonnen. Der
beim Bau verwendete Naturstein hatte seinen besonderen Reiz, die Kirche
ist unbestritten zum Wahrzeichen und Mittelpunkt von Freiendiez geworden.
Deshalb hörten die Gemeindeglieder die Ausführungen der Fachleute
mit gemischten Gefühlen: "Leider weist das Mauerwerk überall
unübersehbare Verwitterungsschäden auf. Manche Mauersimse beginnen
zu bröckeln oder sind aus der Verankerung gerutscht. Es muss dringend
etwas zur Sicherung der Substanz unternommen werden.
Schon 1979 wurden die ersten Überlegungen angestellt, die Kirche an
den Außenflächen zu verputzen. 1982 hat dann ein Münchener
Institut ein Gutachten erstellt, das die Möglichkeiten einer Fassadensanierung
aufzeigen sollte. Nach diesem Gutachten war der zum Bau verwendete Schalstein
nicht für eine steinsichtige Konservierung geeignet. Es zeigte sich
weiter, dass die dekorative Vermauerung nicht konsequent durchgeführt
und zum Beispiel Backsteine zwischen Bruchsteinen verwendet worden waren.
Dies ließ den Schluss zu, dass die Kirche von vornherein zum Verputzen
vorgesehen war, man aber nach der Erbauung aus Kostengründen darauf
verzichtet hatte.
Um zu vermeiden, dass das Bauwerk im Laufe der Zeit verfällt, musste
es verputzt und mit einem wasserabweisenden Anstrich versehen werden. Die
kirchliche Bauaufsicht der Kirchenverwaltung in Darmstadt und das Landesamt
für Denkmalpflege in Mainz haben sich der Meinung des Gutachters angeschlossen.
Die Kosten wurden damals auf etwa 325.000,- DM veranschlagt. Neben Zuschüssen
aus Darmstadt und Mainz musste die Kirchengemeinde in Freiendiez den Betrag
von 65.000,- DM selbst aufbringen. Im Gemeindebrief Nr. 1, 13. Jahrgang
vom 15. März 1989 heißt es dazu: "So hoffen wir auf ein
gutes und akzeptables Ergebnis der Arbeiten."
Spätere Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass noch weitergehende
Schutzmaßnahmen und Reparaturen an Mauerwerk und Dach notwendig wurden,
die die Baukosten auf insgesamt 650.000,-DM hochschnellen ließen.
Hiervon musste die Kirchengemeinde 130.000,- DM aufbringen.
Die gesamten Maßnahmen wurden im Spätherbst 1989 abgeschlossen
und am 3. Advent (17. Dezember 1989) wurde dann in einem Dankgottesdienst
das Gelingen der Außenrenovierung gefeiert.
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Der Kirchturm - die Turmuhr
Beim Turmbau wurden Steine aus der Vorgängerkirche verwendet.
Der schlanke Kirchturm gleicht einem Zeigefinger, der zum Himmel zeigt.
Er erinnert uns daran, über das auf der Erde Sichtbare hinauszudenken.
Erweist uns auf den Himmel, auf Gott hin.
Die Turmuhr wurde im Jahre 1900 von der Fa. Weule aus Bockenem am Harz für
1000 Mark beschafft. Sie hatte seinerzeit ein Werk, das wöchentlich
von Hand aufgezogen werden musste und für den Antrieb von zwei Zifferblättern
mit einem Durchmesser von jeweils 1,45 m ausgelegt war. Durch Spenden von
Freiendiezer Bürgern konnten damals für weitere 220 Mark ein drittes
und viertes Zifferblatt beschafft werden. Dabei hätte der ursprünglich
für zwei Zifferblätter ausgelegte Antrieb größer und
stärker sein müssen. Es passierte immer wieder, dass bei zusätzlicher
Belastung die Uhr öfter stehen blieb, wenn sich zum Beispiel Vögel
auf die Zeiger setzten oder wenn das Öl durch Kälte steif wurde.
Die Anlage hat immerhin ihre Aufgabe, wenn auch mit gelegentlichen Störungen,
über 75 Jahre erfüllt.
Durch ein Jubiläumsgeschenk der Stadt Diez und durch Spenden der Freiendiezer
konnte 1978 das 78 Jahre alte mechanische Uhrwerk durch einen elektrischen
Antrieb ersetzt werden. Der Elektromotor hinter den Zifferblättern
erhält jede Minute von einer Zentraluhr einen elektrischen Impuls und
rückt dann die Zeiger um eine Minute vor. Auch der Uhrschlag wird elektrisch
gesteuert. Die Zentraluhr schaltet auch das Läuten zu den verschiedenen
Tageszeiten ein. Leider hat das Eulenpärchen, das damals im Turm nistete,
die Störung durch die notwendigen Arbeiten übel genommen und ist
ausgezogen und nicht wieder zurückgekehrt. "Wir hoffen trotzdem,
dass die Turmuhr jetzt wieder für geraume Zeit zuverlässig ihren
Dienst tut. "
Eine Uhr am Kirchturm ist mehr als eine praktische Einrichtung. Sie zeigt
uns nicht nur die Zeit an und teilt uns mit, welche Stunde geschlagen hat,
sondern sie fragt uns zugleich, was wir mit unserer Zeit anfangen und wie
wir sie gebrauchen: verplempern oder ausnützen. Der Prediger Salomo
sagt: "Ein jegliches Ding hat seine Zeit." Und in Psalm 31 heißt
es: "Meine Zeit steht in deinen Händen."
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Das Kreuz
Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden,
uns aber ist es eine Kraft Gottes. (1. Kor. 1,18)

Das Kreuz erinnert uns an Leben und Sterben Jesu, an seine
Hingabe bis zum Tod. So ist es ein Zeichen für die Barmherzigkeit Gottes.
Die Kreuzenden in Form einer stilisierten Lilie symbolisieren die Überwindung
der Sünde. Der Sonnenkranz im Zentrum lässt uns an das Psalmwort
denken: "Gott der Herr ist Sonne und Schild" (Ps. 84, 12). Wie
zum Segen erhobene Hände breitet das Kreuz seine Arme über den
Ort. Und vielleicht ist dies das Wichtigste: dass Gott uns mit seinem Segen
geleiten will, längst bevor wir das verstehen und darum bitten.
"Möge das Kreuz auf dem Kirchturm die Menschen immer an die unsichtbare
Nähe Gottes erinnern!" Das Kreuz über der Kugel oder dem
Erdball ruft uns zu:
Jesus Christus, gestern und heute,
und derselbe auch in Ewigkeit. (Hebr. 13,8)
Woran niemand jemals gedacht hätte, ist doch passiert: Während
der Außenrenovierung der Kirche, als das Gerüst am Turm stand,
wurde in der Nacht zum 12. Juli 1989 das Turmkreuz gestohlen. Aus welchem
Motiv auch immer dies geschehen ist, die Freiendiezer waren schockiert.
Im Kontrast dazu war es sehr erfreulich, dass sich spontan Freiendiezer
Handwerker bereit erklärten, ein neues Kreuz zu stiften. Das neue Kreuz
wurde auf den Turm gebracht und verankert und leuchtet wieder in der alten
Form über den Dächern des Ortes.
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Die Glocken
Vor Weihnachten des Jahres 1850 erhielt die Kirchengemeinde
Freiendiez eine von der Glockengießerei Rincker in Sinn gelieferte
Glocke "zum kirchlichen Gebrauch". Weil damals eine Kirche fehlte,
wurde sie in einem am Schulhaus angebauten Glockenhäuschen aufgehängt
und am 24. Dezember eingeweiht. Sie läutete zum Gottesdienst aber auch
zu nichtkirchlichen Gelegenheiten. Wörtlich heißt es: "Zu
bürgerlichen Zwecken".
Mit dem Neubau erhielt unsere Kirche zwei neue Bronzeglocken, die bis zum
Ersten Weltkrieg läuteten. Dann musste die größere von ihnen
1917 zur Metallbeschaffung abgegeben werden. Im Januar 1922 wurde über
die Wiederbeschaffung verhandelt. Am 30. Januar 1922 beschloss der Kirchenvorstand,
zunächst 1 Bronzeglocke für 27.490 Mark bei der Fa. Rincker in
Sinn zu bestellen.
Doch dann passierte das Unvorhergesehene. Die Bronzepreise stiegen um fast
12 % und die Fa. Rincker schickte ein Telegramm mit einer Preiserhöhung.
Angesichts dieser Lage rückte die Möglichkeit, das Geläut
schrittweise wieder auf 3 Glocken aus Bronze zu ergänzen, in weite
Ferne. Ohne Alternative handelte der Kirchenvorstand sofort und bestellte
noch am gleichen Tag ein dreistimmiges Stahlgeläut beim Bochumer Verein.
Die drei Glocken aus Stahl wurden 1923 vom Bochumer Verein in Bochum gegossen
und anstelle der im Ersten Weltkrieg abgelieferten größeren Bronzeglocke
aufgehängt. Sie sollten zunächst zusammen 45.670 Mark kosten.
Allerdings ging die seinerzeitige Kalkulation nicht auf, weil ein neuer
Glockenstuhl für weitere 40.000 Mark notwendig wurde. Im Mai 1922 betrug
der endgültige Rechnungsbetrag 146.595 Mark.
Die Freiendiezer sammelten, bedingt durch die rasant ansteigende Inflation,
bis Januar 1924 die Summe von 258 Billionen, 182 Milliarden, 500 Millionen
775 Tausend und 520 Mark ! Da bei der Währungsreform 1924 1 Billion
(Papier-) Mark gegen 1 (neue) Reichsmark eingetauscht wurde, hatte die zweijährige
Sammlung einen Wert von 258,18 Reichsmark!
Die drei Stahlglocken mit den Tönen fis`, a` und h`
sind nach 1. Kor. 13,13: "Glaube, Liebe und Hoffnung" gewidmet.
Sie sind 931 kg, 462 kg und 349 kg schwer.
Im Dezember 1923 wurden die Glocken im Turm aufgehängt und am 23. Dezember
1923, nachmittags um 13.00 Uhr, fand in Anwesenheit des Kirchenvorstandes
das erste Probeläuten statt.
Bei der Feier zur Aufhängung der Glocken trug Fritz Römer das
folgende, wohl von Pfarrer Auler verfasste Gedicht vor:
Hinauf, ihr Glocken, zum hohen Turm! Bald kommt euere Weihestunde,
Dann kündet im brausenden Jubelsturm Eures Herrgotts Lob in die Runde
!
Ihr seid geboren in harter Zeit,
Da Deutschland tief liegt in Schanden; Ihr seht unser Volk im schwersten
Leid, Da Not und Trauer sich fanden.
Ihr aber sollt helfen aus dieser Not, Ihr sollt die Gemeinde rufen,
Daß sie sich schare um ihren Gott An seines Altares Stufen !
Ihr sollt es immer aufs Neue verkünden, Daß über Not, Trauer,
Elend und Tod, Ja, über des Volkes Abfall und Sünden Einer ist
Sieger - der lebendige Gott.
Es segne euch Gott! Bis in fernste Zeiten Seid unsrer Gemeinde Mahner und
Schutz ! Klingt tief in die Herzen mit eurem Läuten: Gott unser Helfer
! Gott unser Trutz !
Die Gutachter der gelieferten Stahlglocken versuchten ihre
Kritik hinter schönen Worten zu verstecken. Verständlicherweise
überdeckte die Freude, dass die Bemühungen um neue Glocken endlich
einen sichtbaren und hörbaren Erfolg hatten, die Kritik an der Qualität.
Die von der Turmuhr gesteuerte Zentraluhr schaltet auch das Läuten
zu den verschiedenen Tageszeiten ein. Morgens läutet die kleine, mittags
um 11.00 Uhr die mittlere und abends die große Glocke.
Morgens
Ton: h` Inschrift: "Hoffnung läßt nicht zu Schanden werden."
Durchmesser: 0,93 m
Gewicht: 349 kg
Mittags
Ton: a' Inschrift: "Die Liebe höret nimmer auf. "
Durchmesser: 1,03 m
Gewicht: 462 kg
Abends
Ton: fis` Inschrift: "Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden
hat. "
Durchmesser: 1,23 m
Gewicht: 931 kg
"Was für ein Gebimmel !", sagen die einen.
- "Schön, dass man einmal jede Glocke einzeln hört !",
sagen die anderen. Gemeint damit ist das Einläuten des Sonntags. Erst
erklingt die große Glocke, dann die mittlere und dann folgt die kleine
Glocke und schließlich läuten alle drei Glocken zusammen. - Warum
?
Zum einen kann die Gemeinde den charakteristischen Klang jeder einzelnen
Glocke kennen lernen.
Zum anderen bietet ein Geläut mit mehreren Glocken die Möglichkeit,
durch verschiedene Zusammenstellungen der Glocken die Anlässe, zu denen
geläutet wird, zu unterscheiden.
Zum Beispiel:
a) Sonntagsgottesdienst: volles Geläut
b) Kindergottesdienst: die beiden kleineren Glocken
c) Passionsandacht: die beiden größeren Glocken
d) Sonntag-Einläuten: Vorläuten - mit jeder einzelnen Glocke,
dann volles Geläut
e) Beerdigung: Vorläuten - mit der großen Glocke, Pause, dann
volles Geläut.
f) Trauung: Vorläuten - mit zwei Glocken, Pause, dann volles Geläut.
Dass auch der "Laie" die Unterschiede hört, beweisen die
oben angeführten Äußerungen. Ein bewusst gestaltetes, verschiedenartiges
Läuten zeigt der Gemeinde an, an was für einem Anlass (Freude
oder Trauer oder Gebet) sie innerlich teilnehmen kann.
Also:
Verschiedener Ruf der Glocken, eine Bereicherung oder Gebimmel?
Von Weihnachten 1923 an hingen also im Freiendiezer Kirchturm vier Glocken
(fis' - a'- h'- d" (oder: cis"). Im Mai 1940 wurde die kleinste
(vierte) Glocke aus Bronze beschlagnahmt, die bis zu diesem Zeitpunkt immer
zum Vaterunser geläutet hatte. Ihr Platz blieb bis heute leer.
Die Glocken rufen zum Gottesdienst und zum Gebet. Sie erinnern auch den,
der nicht kommt oder kommen kann, an Gott und sagen ihm, dass sich eine
(seine) Gemeinde im Namen Gottes versammelt.
Aus den Akten geht hervor, dass der damalige Kirchenvorstand
ursprünglich Bronzeglocken anschaffen wollte.
Bronzeglocken zeichnen sich durch einen weicheren Anschlagton und durch
einen volleren und getragenen (lang anhaltenden) Summton aus. Glocken aus
anderem Metall (z.B.: Stahl) haben leicht harte, grelle Schlagtöne
und schnell verklingende Summtöne. Trotz vieler Versuche konnten die
Eigenschaften der Bronze nicht durch andere Metallzusammensetzungen erreicht
werden. Doch: Bronze ist teurer.
Der Kirchenvorstand hat jetzt diese Gesichtspunkte aufgegriffen und sich
für ein Geläute mit der historischen, teilweise gewohnten Melodie
oder Schlagtonfolge in etwas tieferer Lage: e` - g` - a' - c" entschieden.
Die neuen Glocken sollen zum Jubiläum im Jahre 2003 erklingen.
Möglich geworden war diese Maßnahme auch durch großzügige,
zweckgebundene Stiftungen, die die Kosten für Guss und Herstellung
der Glocken (ohne Montage) abdeckten. Durch eine weitere Spende konnte eine
fünfte Glocke mit dem Ton: d" bestellt und somit der vorhandene
Platz im Glockenstuhl voll ausgenutzt werden. Während die fünfte
Glocke am 28. Januar 2003 gegossen wurde, ist der Guss der anderen vier
Glocken für den 6. Juni 2003 geplant.
Glockenguss, Transport, Abhängen der alten Glocken, Anpassung des Glockenstuhls,
Schaffung der technischen Voraussetzungen (elektrische Leitungen, Läutemaschinen,
Steuerung) sowie Aufhängung der neuen Glocken: eine Menge Arbeiten,
die noch bevorstehen und nicht in wenigen Tagen erledigt werden können.
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Das Innere
Aus der baugeschichtlichen Dokumentation ist zu entnehmen,
dass beim Neubau der Kirche der Innenraum einen weiß-elfenbeinfarbigen
Grundton erhielt. Fensterumrahmungen und Feldeinfassungen mit Bändern
in unterschiedlichen Breiten bis zu 14 cm schmückten die Wände.
Die Farben wurden von Grün bis hin zu Signalrot beschrieben.
1896, also nach 43 Jahren, soll die Kirche einen zweiten Anstrich im Cremeton
mit grüner Strichumrandung erhalten haben. Das Balkenwerk wurde rot-braun
gestrichen. Bänke und Türen erhielten einen Anstrich in Eichenmaserung.
Die Sockelzone soll in einer graublauen Quaderbemalung mit schwarzer Strichumrandung
gestaltet worden sein. Als Abschluss wurde eine graublaue Borde mit Fries
aufgelegt. Das Chorgewölbe war in Blau mit gelben Sternen angelegt.
Die Wände mit rötlich-gelbem Grundton ruhten auf einem rot-sandsteinfarbenen
Anstrich mit Quaderung in der Sockelzone. Die Fenster des Chores hatten
ebenfalls rote Umrandungen. Nach den vorliegenden Unterlagen soll der Chorbogen
auch eine Quaderbemalung gezeigt haben.
1934, also nach weiteren 38 Jahren, wurde unter der Leitung des Kunstmalers
Adolf Presber aus Wiesbaden die Kirche neu gestrichen. Über die dabei
gewählte Farbgestaltung ist nichts bekannt.
1953, also bereits nach weiteren 19 Jahren, erhielt die Kirche die vierte
Farbgebung in Hellbeige mit erdgrünen Felderfassungen.
1968, nach weiteren 15 Jahren, wurde die Kirche wieder renoviert und neu
gestrichen.
1997, nach weiteren 29 Jahren, sollte die Kirche im Innenraum die sechste
Ausgestaltung erhalten, die allerdings bis Juni 1997 noch nicht festgelegt
war. Aufgrund der Ausführungsliste vom 1.10.1996 und aufgrund von Festsetzungen
bei mehreren Ortsterminen sollten sich die Kosten auf 413.000,- DM belaufen.
Die Kirche wurde dann 1997/98 renoviert. Die neue Ausgestaltung übersetzt
das Wort Evangelium (gute Botschaft von Jesus Christus) in Farbe und heißt
den Eintretenden mit einer freundlichen Atmosphäre willkommen.
Ein Teppich aus Keramik-Platten führt im Mittelgang nach vorne auf
den Chorraum zu und lädt die Besucher ein, mit ihren Anliegen vor den
Altar Gottes zu treten: "Lasst uns mit Freuden seinen Namen singen
l und Preis und Dank zu seinem Altar bringen" (EG 447,1). Die Keramikplatten
gingen dann früher nach links zum Taufbecken aus Diezer Marmor weiter.
Symbolisch wurde dadurch ausgedrückt, dass ein Christ durch die Taufe
in die Kirche eintritt. Allerdings musste das Stück vom Mittelgang
zum Taufbecken bei der letzten Renovierung dem neuen Heizungsschacht weichen.
Das Taufbecken steht links vor den Stufen zum Chorraum. Auf einem fast kubischen
Block aus Trachyt ruht die zinnerne Taufschüssel, geschmückt mit
einer Taube, die vor einem Kreuz schwebt. Der Taufstein lebt von der Spannung
zwischen dem weichen halbkugelförmigen Rund des Beckens und dem massiven,
fast plumpen, würfelförmigen Sockel. Die Taufe kommt der Quadratur
des Kreises gleich oder der Wandlung des Würfels in eine Kugel. Christentum
und Welt stehen in spannungsreicher Beziehung.
Neben dem Taufbecken steht ein Leuchter mit einer Oster- und Taufkerze.
Die Kerze trägt das Christussymbol und weist auf das Wort Jesu hin
(Joh. 8,12):
Ich bin das Licht der Welt.
Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln
in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.
Der Teppich im Altarraum hat dasselbe Muster wie der Plattenbelag vor der
Kirche. Das ist mit Absicht so gemacht. Denn: Was in der Kirche geschieht
und gesagt wird, soll in Verbindung mit dem übrigen Leben außerhalb
der Kirche stehen. Kirche und Welt stehen miteinander in Beziehung. Gelingt
das nicht, wird Reden und Handeln der Kirche bedeutungslos.
Interessant ist die Konstruktion der Decke (sogenannte "Scheunendecke")
mit dem teilweise offenen Dachstuhl. Die sichtbaren, tragenden Elemente
sind in einem warmen Grauton gehalten.
In der Mitte der Kirche hängt von der Decke ein großer Radleuchter
herab. In mittelalterlichen Kirchen ist er manchmal mit 12 Toren und 12
Apostelfiguren geschmückt. Er symbolisiert dann das himmlische Jerusalem.
Der alte Leuchter in unserer Kirche hatte Trauben und Weinlaub als Dekor.
Dieser Schmuck steht allerdings in keiner inhaltlichen Beziehung zu seiner
Funktion, Licht zu geben. Darum wurde er bei einer früheren Renovierung
entfernt (1953).
Der alte Reif ist offensichtlich wieder verwendet worden. Die Kreisform
stellt die Gemeinschaft dar. Als Schmuck hängen an dem neuen Leuchter
abwechselnd größere und kleinere quadratische Platten aus mattem
Glas. So gibt der Leuchter dem Raum einen eigenen Akzent. Größere
und kleinere Menschen versammeln sich in der Gemeinde. Sind sie immer durchsichtig?
Oder sollen sie es überhaupt sein ?
Was aber Große und Kleine in gleicher Weise brauchen, ist die "Erleuchtung",
dass ihnen "ein Licht aufgeht" und sie verstehen.
"Über denen, die da wohnen im finstern Land, scheint es hell.'
(Jes. 9, 1 b).
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Der Altar ist eigentlich der Tisch, um den sich die Gemeinde
versammelt, um das Mahl des Herrn zu feiern, das Mahl der Danksagung für
alles, was er für die Menschen getan hat, die "Eucharistie".
Er ist festlich geschmückt mit Kerzen und Blumen. Die Behänge
tragen in der Regel christliche Symbole.
Schmuck und Aufstellung als Blickfang weisen auf seine zentrale Bedeutung
hin, die das Nicht-Sichtbare den Augen vorstellen will: Hier berühren
sich Himmel und Erde, Jenseits und Diesseits, Zeit und Ewigkeit.
In Synagogen erinnert die Öllampe als Ewiges Licht an die ewige Gegenwart
Gottes. In katholischen Kirchen wird Christus in den Abendmahlsgaben Brot
und Wein als gegenwärtig vorgestellt. Auf dem Altar evangelischer Kirchen
liegt eine aufgeschlagene Bibel: Gott ist in seinem Wort unter uns gegenwärtig
und spricht zu uns.
Das Kreuz über dem Altar
Kinder vermuten oft, dass die hellen und farbigen Teile in
unserem Altarkreuz Edelsteine seien. Aber es ist nur Glas. Doch deutet das
Kunstwerk an, dass man bei dem, der ans Kreuz ging, etwas Edles und Wertvolles
fürs Leben finden kann.

Die Arme sind gleich lang. So symbolisieren sie die Ausgewogenheit
und Harmonie im Angesicht des Kreuzes: Rechts und links, verschiedene Richtungen
und Gruppierungen sind auf die gemeinsame Mitte bezogen und werden von ihr
zusammengehalten. Ebenso besteht zwischen Oben und Unten, Himmel und Erde,
Geistigem und Natürlichem ein ausgeglichenes Verhältnis.
Die Zacken am Rand der Arme erinnern an die Dornenkrone. Aus der Nähe
betrachtet wirkt der rohe Bronzeguss wie etwas Unfertiges oder gar Zerstörtes,
Verbranntes - ein Hinweis auf das Leiden in der Welt.
Das Kreuz hängt von der Decke herunter; so tief, dass es uns beim Betreten
der Kirche gleich in den Gesichtskreis tritt und zum Blickfang wird. Ebenso
senkt sich die Güte Gottes auf den Menschen nieder, tritt in unseren
Gesichtskreis und wird für den, der sich öffnet, zum leuchtenden
Edelstein im Leben.
Das Kreuz symbolisiert auch das Leiden auf der Welt und insbesondere das
Leiden Christi.
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Beim Eingang in die Kirche fällt der Blick über
Altar und Kreuz hinaus auf drei Buntfenster im Chorraum. Diese Fenster wurden
1953 zum 100-jährigen Jubiläum vom Diezer Maler Rudolf Fuchs gestaltet.
Sie zeigen Mose, Christus und Paulus.
Die Gestalt des Mose vertritt die Gemeinde des Alten Bundes, die Christus,
den Erlöser, erwartet. In der linken Hand hält Mose die beiden
Tafeln mit den 10 Geboten, die rechte hat er zum Schwur erhoben. Das Feuer
im Hintergrund erinnert an die Heiligkeit Gottes, dem Mose zum ersten Mal
am brennenden Dornbusch begegnete.
Die Gestalt des Paulus vertritt die Gemeinde des Neuen Bundes, die sich
auf Christus gründet. Zu ihr gehört auch Freiendiez, worauf das
kleine Freiendiezer Wappen unten in der Ecke mit der turmlosen Kapelle und
dem Schäfchen hinweist. Das Evangelium, dargestellt durch das offene
Buch, strahlt auf Paulus aus und bestimmt sein Denken, Reden und Handeln.
Das Schwert in seiner Hand ist ein Symbol für den Glauben und erinnert
auch an seine Hinrichtung.
In der Mitte sehen wir Christus, Zentrum christlicher Verkündigung.
Wissend und mitleidsvoll blickt er den Menschen an, "die Hände
zum Segen" erhoben. Er sitzt auf dem Thron, das Buch des Lebens auf
den Knien, er ist "A" und "O", Anfang und Ende, Ursprung
und Ziel wahren Lebens.
Ihn umgeben die vier Wesen, die an die Cherubim, die Engel am Thron Gottes,
erinnern und die zu Symbolen der 4 Evangelisten geworden sind: der geflügelte
Mensch für Matthäus, der geflügelte Löwe für Markus,
der geflügelte Stier für Lukas und der Adler für Johannes.
Sie verkündigen uns die Nähe Gottes:
Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten.
(EG 165)
Über die Fenster sind kleine, hellere Glasscheiben verstreut, die sich
aus ihrer Umgebung herausheben. Sie wirken wie Funken der Ewigkeit, die
in unsere Welt hineinleuchten.
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Die Kanzel
"Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht
auf meinem Wege." (Psalm 119, 105)
| Bis 1967 stand die Kanzel auf der linken
Seite des Chorbogens. Dann wurde sie auf die rechte Seite versetzt und
bei der letzten Renovierung noch etwas tiefer gesetzt. Die raumprägende Stellung der Kanzel zeigt die Bedeutung der Predigt für den evangelischen Gottesdienst. Abgesehen von allen praktischen Überlegungen unterstreicht eine hohe Position die Hochschätzung des Wortes Gottes. Wird die Kanzel nahe an die Bänke gerückt, wird die Gemeindenähe betont. Das gesprochene und hörbare Wort ist wie ein Sakrament verstanden, als sinnlich wahrnehmbares Zeichen des Heils und als Hilfe zum Heil unter menschlichen Bedingungen. Herr, dein Wort, die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir; denn ich zieh es aller Habe und dem größten Reichtum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn ? Mir ist's nicht um tausend Welten, aber um dein Wort zu tun. (EG 198,1) |
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Die Festschrift zum Neubau der zweiten Orgel vom März
1971 enthält Bilder, die die erste Orgel und ihren Spieltisch mit Aufnahmen
von 1851 zeigen. Wie wir aber aus dem Abschnitt: Der "Neubau der Jakobuskirche"
wissen, wurde am 17. Juli 1851 mit den Bauarbeiten begonnen und am 1. Juni
1852 der Denkstein gelegt. Demnach muss man eher dem Text der Festschrift
glauben, in dem es heißt: "Dieses Orgelwerk (Orgelbauer F. Voigt)
hat von Sonntag, 20. November 1853, Freuden und Leiden in der Kirchengemeinde
begleitet und nicht nur am kirchlichen Leben teilgenommen, sondern auch
am politischen, an Krieg und Frieden. Sie wurde zum Beispiel im 19. Jahrhundert
zu den Sedansfeiern gespielt, Feiern zum Gedächtnis an den Tag, an
dem die Schlacht bei Sedan zu Ende ging."
Im Jahre 1909 wurde die erste Orgel einer gründlichen Reparatur unterzogen.
Wenige Jahre später begann der Erste Weltkrieg, der viele Menschenleben
forderte und viel Elend in die Bevölkerung brachte und der auch vor
der Orgel nicht Halt machte. So wurde der Gemeinde am 7. März 1917
eine Anordnung zugesandt, die sie aufforderte, die Zinnprospektpfeifen aus
der Orgel zu entfernen und an der städtischen Sammelstelle abzugeben.
Dies geschah dann und nur noch ein Rest von verbliebenen Pfeifen konnte
den Gemeindegesang mühsam und leise begleiten.
Nach dem Ersten Weltkrieg sorgte sich Rektor Vollrath um die Orgel. Doch
leider konnten für die fehlenden Zinnpfeifen nur aluminierte Zinkpfeifen
herbeigeschafft werden, deren minderwertige Qualität in den kommenden
Jahren immer wieder weitere Reparaturen notwendig machte.
Dann bemühte sich die Gemeinde, einen Orgelfonds durch Spenden zu füllen,
um eine neue Orgel zu beschaffen. 1933 war auf diese Weise ein Betrag von
1.374,02 RM angespart. Trotz beginnendem Zweiten Weltkrieg versuchten Kirchenvorstand,
Pfarrer und Organisten, die hinfällige Orgel einigermaßen spielbar
zu erhalten. Am 31. Mai 1940 genehmigte die Kirchenleitung den Umbau der
Pedalklaviatur. Und die Verantwortlichen der Kirchengemeinde zeigten erstaunlichen
Mut, denn sie ließen sich im selben Jahr einen Kostenvoranschlag für
eine neue Orgel ausarbeiten. Diese Pläne mussten zu den Akten gelegt
werden, als die Kirche durch in der Nähe gefallene Bomben erheblich
in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die für eine neue Orgel angesparten
Mittel mussten helfen, die schlimmsten Schäden an und in der Kirche
zu beseitigen. Auch in den folgenden Jahren konnte die Orgel immer nur repariert
werden, bis sich schließlich nicht mehr alle Mängel beheben ließen.
Im Jahre 1967/68 wurde die Jakobuskirche renoviert und der Kirchenvorstand
griff die schon oft durchdachten Pläne eines neuen Orgelbaues wieder
auf. Ein kleiner Kreis von Gemeindegliedern konstituierte sich zu einem
Orgelausschuss und organisierte mit großem Engagement eine mehrjährige
Gemeindesammlung.
Im Jahre 1967 wurde bei der Orgelbauwerkstatt Rudolf von Beckerath in Hamburg
eine neue Orgel in Auftrag gegeben. Die Disposition der Orgel wurde von
Dr. Utermöhlen, München, kostenlos zur Verfügung gestellt
und die äußere Gestalt wurde von Orgelbaumeister Laible von der
Firma von Beckerath in Zusammenarbeit mit Architekt Vogel, Fachingen, geplant.
Das Gehäuse wurde von der Kunstschreinerei Moitz aus Koblenz-Rübenach
gefertigt und von der Firma Karl Begere aus Freiendiez bemalt. In einem
Festgottesdienst am 14. März 1971 wurde die neue Orgel geweiht und
der Gemeinde übergeben, nachdem sie bereits am Vorabend in einem Konzert
erklungen war.
Ausgehend von einer gesicherten Finanzierung konnten seinerzeit nicht alle
sinnvollen und wünschenswerten Vorschläge verwirklicht werden.
Es musste der Platz für 4 Register leer bleiben. Nachdem sich dann
10 Jahre später die Möglichkeit ergab, das Instrument zu vervollständigen,
wurde die Ergänzung vorgenommen. Zur Einweihung der erweiterten Orgel
gab der frühere Pfarrer Gottfried Reinhardt am Sonntag, 19. Juni 1983,
ein Orgelkonzert. Die Orgel hatte nunmehr 19 Register mit 1218 Pfeifen.
Zu Beginn des Konzertes wurden die neuen Register vorgestellt.
Nachdem sich inzwischen Staub und tote Insekten aus zwei Jahrzehnten angesammelt
hatten, wurde die Orgel im Januar 1993 von Mitarbeitern der Fa. Rudolf von
Beckerath, Hamburg, generalgereinigt. Alle Pfeifen wurden ausgebaut, innen
und außen gereinigt und klanglich wieder neu eingestellt. Die Mechanik
wurde nachgesehen und, wo nötig, reguliert. Am 28. Februar 1993 war
dann die Wiedereinweihung des Instrumentes unter Mitwirkung des Posaunenchores
und des Kirchenchores. Dem Anlass entsprechend erklang viel Orgelmusik von
J.S. Bach, J.F. Dandrieu und A. Pärt. Viele Gäste waren erschienen,
und es zeigte sich ein zunehmend öffentliches Interesse an der Kirchenmusik
in der Jakobuskirche.
Nachdem die Orgel dann 1998 noch vervollständigt werden konnte, hat
sie nunmehr 21 Register mit insgesamt 1442 klingenden Pfeifen. Sie verteilen
sich auf zwei Manualwerke und ein Pedalwerk: das Hauptwerk (3 Felder oben
in der Mitte), das Rückpositiv (in der Emporenbrüstung) und das
Pedalwerk (2 Felder oben rechts und links), mit dem die Bässe gespielt
werden. Die größte Pfeife ist ca. 2,40 m lang, die kleinste in
ihrem klingenden Teil ca. 1 cm.
Möge die Orgel weiterhin zum Lob Gottes erklingen und die Herzen der
Menschen erfreuen !
Die Truhenorgel
Am 17. August 1980 wurde eine neue Truhenorgel eingeweiht
und in einem Konzert am 20. September 1980 der Gemeinde vorgestellt. Der
Gedanke zur Anschaffung dieses Instrumentes kam auf, als das bisher vom
Kirchenchor benutzte Harmonium schadhaft wurde.
Der Kirchenvorstand entschied sich schließlich für die von der
Orgelbaufirma Rudolf von Beckerath, Hamburg, angebotene Truhenorgel. Das
Instrument sollte dem Kirchenchor als Übungsinstrument dienen, es sollte
als Continuo-(Begleit-)Instrument bei Konzerten, auch in anderen Räumen,
verwendet werden. Weiter sollte es Orgelschülern als Übungsinstrument
zur Verfügung stehen und für Gottesdienste im Gemeindehaussaal
eingesetzt werden.
Das Evangelische Dekanat Diez erklärte sich bereit, etwa ein Drittel
der Kosten zu übernehmen, unter der Bedingung, dass das Instrument
von den Gemeinden des Dekanats kostenlos für Konzerte ausgeliehen werden
könnte.
Die Truhenorgel ist eine kleine, aber echte Pfeifenorgel. Ihre 54 Tasten
sind über 4 Register mit 216 Pfeifen gleicher Bauart, aber unterschiedlichen
Größen verbunden. Die Pedalklaviatur hat keine eigenen Pfeifen,
sie ist fest mit den entsprechenden Tasten der Manualklaviatur gekoppelt.
Die Truhenorgel ist 80 cm hoch, 120 cm breit und einschließlich Klaviatur
65 cm tief. Sie wiegt 176 kg und ist mit Hilfe von 4 Griffen tragbar.
Mit einer großen Orgel kann sich ein solches Instrument natürlich
nicht messen. Allerdings bietet es die Möglichkeit, bei Konzerten eingesetzt
zu werden und ohne oder mit der Hauptorgel zu musizieren.
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Das alte Freiendiezer Pfarrhaus
In enger Nachbarschaft zu der Kirche stand das Pfarrhaus.
Das ist nicht außergewöhnlich, es war und ist auch so in Freiendiez.
In der Kirchenchronik ist zu lesen, dass unser jetziges Pfarrhaus "am
l. Oktober 1857 als Stotz'sches Haus erworben wurde". Es war vordem
als Gastwirtschaft mit zugehöriger Scheune landwirtschaftlich genutzt.
Es ist anzunehmen, dass sich die Stallungen für das Vieh mit in dem
Gebäude befanden. Haus und Scheune sind noch in den Grundrissen erhalten.
Im Pfarrhaus befinden sich heute die Wohnung. das Pfarramt und der Gemeindesaal.
Die Scheune wurde umgebaut. Im Untergeschoss befindet sich seit 1928 ein
Kindergarten, darüber liegen die Wohnungen für den Küster
und die Gemeindeschwester.
Vor 1857 lag das Pfarrhaus mit seinen Nebengebäuden hinter der Kirche
in der Schusterstraße. Der heutige Besitzer, die Familie Micke. hat
die Wohnung auf den alten Fundamenten neu erbaut.
Bei dem großen Brand von Freiendiez am 20. August
1817 blieb das Pfarrhaus noch verschont. Es brannten damals 57 Wohnhäuser,
37 Scheunen, 107 Ställe. 1 1 Nebengebäude und die Kirche restlos
nieder.
Ein abgebrannter Ort mit über 500 Einwohnern und zerstörter
Kirche, so entschied man höheren Ortes, brauche keinen Pfarrer! Deshalb
erwog man, das Pfarrhaus zu verkaufen. Am 3. August 1818 standen zur Versteigerung.
Die Pfarrgebäude, bestehend aus einem zweistöckigen Wohnhaus und
Scheune, mit Schiefer gedeckt, zwei Ställe und Schuppen, sowie Hofbering
(Hofplatz) von 26 Ruten 7 Schuh und anliegendem Garten mit 14 Ruten 6 Schuh.
Insgesamt hatte das Grundstück also eine Fläche von etwas über
1000 qm.
Hauptinteressent war der nebenan wohnende Schultheiss Langschied, dem jedoch
eine "Interessengemeinschaft" von 22 Freiendiezer Bürgern
gegenüberstand. Sie ersteigerten das Anwesen dann auch, in der Hoffnung,
dass die Pfarrei wiederhergestellt werden könne. Diese Hoffnung wurde
auf eine harte Probe gestellt. Erst mit der Verfügung vom l. Juli 1850
bestimmte die nassauische Landesregierung die Wiederherstellung von Kirche
und Pfarrei in Freiendiez. Das alte Pfarrhaus konnte wieder von einein Seelsorger,
dem 25jährigen Vikar Stöckicht aus Heftrich/ ldstein, bewohnt
werden. Wie schon oben erwähnt, wurde 1857 das jetzige Pfarrhaus erworben.
Woher das alte Pfarrhaus kam, darüber gibt es einige Unklarheiten.
Laut Auskunft des hessischen Staatsarchivs in Wiesbaden
(HstAW) unter 170 F 42a heißt es 1634 in Blatt 14: "Das Pfarrhaus
... hat vor der Zeit zu Bärbach gestanden, ... ist aber gen Freyendiez
geschlagen". 1674 steht in Blatt 70: "... für das jetzige
Pfarrhaus, so zu Oberneisen gestanden ...... Demzufolge war das aus der
Bärbach stammende Pfarrhaus 1634 baufällig und wurde 1674 durch
das Pfarrhaus aus Oberneisen ersetzt. Bei der damals gebotenen Sparsamkeit
ist es verständlich. dass die mit Mühe geschnittenen Balken des
Fachwerks wieder verwendet wurden, solange das möglich war.
Es kann angenommen werden, dass die Familie Heilbronn 1857 das alte Pfarrhaus
erwarb. Rudolf Dietz, der Freiendiezer Lehrer, schreibt 1896, in dem von
ihm herausgegebenen Heft "Vergilbte Blätter" Seite 87, über
den Brand des Dorfes Freiendiez von 1817: .Drei Häuser in der Nähe
der Kirche, da,', Pfarrhaus (jetzt Heilbronn'sches Haus), das Schulhaus
und das Philippbar'sche Haus (ehemals Preußersches Haus; jetzt Langlotz)
waren bis jetzt noch erhalten geblieben". Späterer Besitzer, auch
des Gartens, wurde dennoch die Familie Langschied, die damit ihre landwirtschaftlichen
Betriebsgebäude erweiterte.
Erst 70 Jahre später sind Bewohner anhand von Fotos bekannt. Darauf
ist ein stattliches Haus als Winkelbau zu sehen. Herr G. Maxeiner (Volksbank
Diez) besitzt ein Bild, worauf seine Großeltern. sein Vater und seine
Tante Lina (Hartmann) aus den Fenstern des oberen Stockwerks schauen. Der
Vater Wilhelm, geboren 1906. könnte darauf etwa 14 Jahre sein. Unten
rechts befinden sich zwei unbekannte Personen (ev. Nachbarn). Im linken
unteren Fenster sehen zwei Frauen den Betrachter an.
